Räikkönen beendet Test in Valencia

Kimi Räikkönen fuhr erstmals mit wenig

Benzin an Bord auf Zeit

Das erste Kapitel seines Comebacks hat Kimi Räikkönen erfolgreich abgeschlossen: Auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia legte der "Iceman" vorgestern 80 und gestern weitere 91 Runden zurück, was insgesamt mehr als zwei Grand-Prix-Distanzen oder genau 666 Kilometern entspricht. Nennenswerte Zwischenfälle gab es dabei laut Lotus-Teamangaben nicht.

"Heute lief es gut", bilanziert der Formel-1-Weltmeister von 2007, "und insgesamt haben mir die zwei Tage sehr geholfen. Auch wenn ich nur ein zwei Jahre altes Auto mit Pirelli-Demoreifen gefahren bin, habe ich viel über die Zusammenarbeit mit dem Team und den Ingenieuren gelernt. Jetzt kann ich mich beim ersten offiziellen Test in Jerez gleich auf das neue Auto konzentrieren. Es war klasse, wieder ein Formel-1-Auto zu fahren, und so gesehen habe ich ein sehr gutes Gefühl."

Doch die alles entscheidende Frage, die alle Räikkönen-Fans beantwortet haben möchten, bleibt zunächst unbeantwortet: Wie schnell ist der 32-Jährige noch, nachdem er 2010 und 2011 Rallye gefahren ist? Denn Lotus veröffentlicht aus Valencia keine Rundenzeiten, auch wenn dem Finnen heute gestattet wurde, seinen Speed mal anzukitzeln. "Kimis Tempo", verrät Chefingenieur Alan Permane nur, "ist seit gestern im erwarteten Ausmass besser geworden. Es war ein weiterer guter Tag mit Kimi in Valencia", berichtet der Brite zufrieden. "Am Vormittag haben wir uns vor allem auf Setup-Arbeiten mit dem Radsturz vorne und hinten konzentriert. Am Nachmittag fuhren wir dann Qualifying-Simulationen mit wenig Benzin und zwei neuen Reifensätzen, gefolgt von einem langen 27-Runden-Run mit einem vollen Tank." Dazu kamen zahlreiche Start- und Boxenstopp-Übungen.

"Wir konnten sogar früher als geplant aufhören, weil wir mit dem Programm so schnell durch waren", so Permane, der Räikkönens Arbeitseinstellung schon gestern gelobt hatte. Sein Gesamtfazit: "Es waren produktive und wertvolle Tage." Die dabei gesammelten Eindrücke kann Räikkönen nun erst einmal verarbeiten. Weiter geht es in zwei Wochen mit der Jungfernfahrt des neuen Lotus beim ersten offiziellen Wintertest in Jerez de la Frontera.

Grosses Lob für Räikkönen


Das Lotus-Team gab vom gestrigen Test in Valencia zwar keine Rundenzeiten bekannt, ist aber sehr zufrieden mit dem Comeback von Kimi Räikkönen am Steuer eines Formel-1-Boliden. Der Finne legte im R30 aus der Saison 2010 (übrigens mit neuem Helmdesign) rund 300 Kilometer zurück und hinterliess dabei offenbar einen sehr professionellen Eindruck. "Schwer zu sagen, wie schnell er sein müsste, aber er war vom ersten Run an ziemlich dabei und hat nicht den ganzen Tag gebraucht, um auf Tempo zu kommen", lobt Lotus-Ingenieur Alan Permane gegenüber der 'BBC'. "Ich sehe jedenfalls keinen Grund, warum er nicht schnell genug sein sollte. Man kann jetzt schon sagen, dass er ein sehr, sehr erfahrener Pilot ist - und es war vom ersten Moment an klar, dass wir es hier mit einem ehemaligen Weltmeister zu tun haben. Es war ein guter Tag."

Test ausschliesslich für den "Iceman"

Technisch habe man für das 2012er-Auto nicht viel mitnehmen können, aber das sei ohnehin nicht das Ziel der Aktion gewesen. "Es geht vielmehr darum, dass er sich ans Auto gewöhnt und sich im Team einlebt. Es ist ein fliegender Start, bevor wir nach Jerez weiterziehen", blickt Permane auf den Beginn der offiziellen Wintertests im Februar. Ansonsten sei "alles ziemlich nach Plan" gelaufen: "Kimi hat ungefähr 300 Kilometer zurückgelegt und drei Reifensätze verbraucht. Jetzt haben wir noch vier für morgen und können dann ein bisschen länger fahren. Wir haben daran gearbeitet, dass er sich im Auto wohlfühlt, dass er ein Gefühl für die Setup-Änderungen bekommt, haben ihm dabei geholfen, die Ingenieure kennenzulernen. Es ist immer grandios, mit einem Topfahrer zusammenzuarbeiten, der nicht nur schnell, sondern auch professionell ist - alles Eigenschaften, die Kimi besitzt. Sein Feedback ist exzellent, seine Forderungen sind prägnant und auf den Punkt. Wir freuen uns auf eine gute Saison mit ihm", sagt der Brite.

Schilderungen, die nicht unbedingt mit dem negativen Bild übereinstimmen, das viele Experten von Räikkönen haben - aber zumindest am gestrigen Tag scheint der Champion von 2007 vielen bei Lotus die Angst vor einem Fehlgriff genommen zu haben. "Er muss zwei Gesichter haben", grinst Permane. "Er ist ganz normal. Er hatte überhaupt kein Problem damit, sich hinzusetzen und so lange über das Auto zu sprechen, wie es eben notwendig war. Er ist ganz offen."
So sprach dann auch der 32-Jährige selbst von einem "guten" ersten Tag: "Ich bin zwei Jahre lang kein Formel-1-Auto gefahren, jetzt noch dazu in einem neuen Team - da gibt es eine Menge, woran man sich gewöhnen muss. Ich bin aber glücklich, denn ich habe mich schnell darauf eingestellt. Je mehr Runden du fährst, desto besser findest du das Limit, weil du Auto und Reifen erkundest. Aber zu wissen, wann ich lenken, bremsen oder Gas geben muss, hat nicht lange gedauert."

Noch ein Testtag in Valencia

Gestern stand für Räikkönen ein weiterer Testtag auf dem Circuit Ricardo Tormo auf dem Programm, anschliessend hat er zwei Wochen Zeit, seine Eindrücke zu verarbeiten. "Das Gute ist: Durch den heutigen Test habe ich jetzt einen Anhaltspunkt, mit dem ich das neue Auto vergleichen kann", sagt er. "Darauf freue ich mich schon. Hoffentlich werden wir von Anfang an schnell sein, dann wird es eine interessante Saison."

Die beginnt am 18. März mit dem Grand Prix von Australien in Melbourne, also in weniger als zwei Monaten. Lotus hofft nach der verkorksten Saison 2011 (noch unter dem Namen Renault), dass man 2012 mit der Paarung Räikkönen/Grosjean zu den vier Topteams aufschliessen kann. Das würde auch das Leben von Teamchef Eric Boullier erleichtern, der zuletzt einiges an Kritik abbekommen hat. Sein erster Eindruck von Räikkönen: "Sehr positiv, muss ich sagen. Das ganze Team ist zufrieden mit Kimis Feedback und Kimi selbst scheint sehr glücklich darüber zu sein, wieder am Steuer zu sitzen", erklärt der Franzose. "Er hatte sehr schnell das Gefühl für das Auto und es ist schön, dass er eine Beziehung zum Team aufbaut. Der R30 ist natürlich ganz anders als das neue Auto, aber Kimi freut sich schon auf den ersten Test in Jerez. Unser Team besteht aus echten Racern - und da passt Kimi ganz hervorragend hinein."

25.1.2012